Mittwoch, 18. September 2019

Die Lehren des tropfenden U-Stücks - Day 648

Alpen-Bock, 2019 Unken
Eine Erfahrung der letzten Tage und die “Lehre” die ich daraus ziehe bezieht sich auf einen tropfenden Abfluss, und was es bedurfte ihn tatsächlich zu dichten. Ich bin in eine neue Wohnung gezogen und merkte, dass der Abfluss tropfte. Ich dachte, “ich werde mich gleich/bald/später darum kümmern” und fing erst mal an mit dem Auspacken und einrichten, was scheinbar total vernünftig oder normal ist. In meinem Bewusstsein war der tropfende Abfluss “schon gemacht”...lol, tatsächlich, meine Wahrnehmung/Erfahrung in dem Moment der “Mini-Projektion” ist “Ach ja, der kleine Wasserhahn/Abfluss, easy , diese kleine Sache ist doch schnell gemacht”.

Was wirklich geschah ist, dass ich den Abfluss total “verdrängte”, und erst später wieder darauf stieß, als ich Utensilien in den Schrank räumen wollte. Auch diesmal schob ich die sofortige Handlung auf und schloss die Tür “Stimmt, da ist ja noch was - Ja, mach ich später”. Lol. Hier fange ich an zu sehen, dass meine WIRKliche Reaktion auf den tropfenden Abfluss eine UNSICHERHEIT/Ängstlichkeit und, damit einhergehend, eine Machtlosigkeit/Entmachtung gegenüber der Situation war, weil “ich das/soetwas noch nie gemacht/repariert habe” und “nicht genau weiß, was ich machen muss” - dieser Punkt ist, was mich zum Aufschieben bringt.

Später an dem Tag, ich hatte immer noch nicht eine Hand an den Abfluss gelegt, hatte ich einen kurzen Chat mit meiner Vermieterin und der tropfende Abfluss kam zur Sprache – ich hatte einen kurzen Moment von (Selbst-)Ärger und (Selbst-)Urteilen das ich diese Sache noch nicht erledigt habe, sogar resonannte Backchats von wegen “Ja, sie...was will sie” doch dominant war mein Wunsch dies selbst zu erledigen. Ich fing an das erste mal Hand an den Abfluss zu legen. Und schraubte so fest zu, wie ich konnte. Lol.

Dies schien kurzzeitig zu helfen, dass Tropfen stoppte. Nach einer gewissen Zeit, schaute ich noch mal rein und der Abfluss tropfte wieder – was von einer (subtilen) Reaktion von Ärger/Beschuldigungen (Scheiß Abfluss, was machst DU, was ist los mit dir...wieso tropfst du) begleitet war, genauso wie das “Stoppen des Tropfens” von einer subtilen Erfahrung und Ausdrücken des (scheinbaren) Erfolges/Freude/Feier (Ja, ich habs geschafft! Erledigt, gelöst) (lolol) begleitet war.

Diesmal legte ich mich das erste mal hin und steckte meinen Kopf IN DEN KASTEN, um genauer sehen zu können, wo das Problem liegt oder liegen könnte – ich holte mir Licht (=Hilfsmittel) um besser sehen zu können und sah dass das Tropfen von hinten am U-Stück kam. Ich erkannte, dass ich das SYSTEM ÖFFNEN muss um das PROBLEM zu lösen (Prob-lem, Prob-ieren – Probe(n) nehmen...dass sind physische Handlungen – to probe a problem). Ich schraube das Gewinde auf, sehe die Einzelteile und dass alles nass ist, trockne es ab, setze die Dichtung ordentlich auf und schraube wieder zu.

Eine Stunde später tropft es wieder. Ich lege mich hin, öffne das Gewinde nocheinmal und schaue, woran das Problem noch liegen könnte. Die beiden inneinender greifenden Rohre sind nicht ganz stimmig und schließen optisch nicht ganz ab. Um den Spalt zu schließen, muss ich auch noch das ANDERE GEWINDE öffnen/lockern, was ich mache. Ich schließe den Spalt und fixiere beide Gewinde wieder, in der Hoffnung, dass dies das Problem beheben wird...Nach 30 Minuten sehe ich wie sich wieder Tropfen am U-Stück sammeln.

Ich denke mir, jetzt wird es langsam wirklich peinlich. Mir fällt ein, dass es soetwas wie “Gewindedichtungsband” gibt und das mir mein Vater mal gezeigt hat, wie man es verwendet. Ich habe mir das Band gestern besorgt, angewendet und bis heute ist der Abfluss dicht. Ich “hoffe” das bleibt so, wenn nicht muss ich weiter Prob-ieren lol.

Was lerne ich daraus?

  • Problemlösung ist ein Prozess
  • Man löst ein Problem indem man damit anfängt und weitermacht bis es vollständig gelöst ist
  • Probleme kann man nicht “wegdenken” oder durch “denken auflösen”
  • Denken verschleppt, kaschiert und akkumuliert Probleme
  • Ich habe eine Neigung dazu, den “Quick Fix” zu suchen und zu verfolgen, obwohl (und vielleicht gerade weil) dieser mein Verständnis und meine Handlungsfähigkeit in meiner Umwelt massiv beschränkt
  • Ich fühle mich entmächtigt im Bezug auf (sogar kleinste) Probleme/Hindernisse im Physischen
  • Ich sehe, erkenne und verstehe, dass die Probleme/Hindernisse NICHT EINMAL PHYSISCHER NATUR sind sondern nur Unstimmigkeiten zwischen meiner mentalen Realität/Vorstellungen/Projektionen und der physischen Realität.
  • Es ist nur vernünftig sich an die physische Realität eines Punktes/Problems/Playouts zu halten und damit zu arbeiten bis die Lösung im Physischen manifest ist.
  • Punkte/Verhaltensweisen die nicht "Routine" sind und von denen ich denke dass ich sie nicht beherrsche/weiß wie es geht, werden gerne verdrängt und es braucht Zeit und AKTIVE selbst-bestimmte Handlungen (Intensität) um diese Trägheit zu durchbrechen. 
  • Bei der Problemlösung kann und muss man "kreativ" sein und aus allen Quellen schöpfen.
  • Durch Misserfolge baut man Fähigkeit und Können auf.


Eine “Lehre” zieht man aus der “Leere”, die eine Erfahrung hinterlässt, in dem Moment wenn man auf sich selbst zurück fällt und das Geschehnis und das eigene Verhalten reflektiert. Die Lehre aus der Leere muss dann noch gelebt und fassbar gemacht werden um ihr Potential zu entfalten. Man lernt genau dann, wenn etwas NICHT funktioniert hat.

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